Avaaz postet heute eine Petition, um Protest gegen das Schweigen der europäischen Politiker in der Flüchtlingskrise zu zeigen.
Laut Avaaz hat sich Angela Merkel nun an die Spitze gestellt und "führt die Anstrengungen an, einen neuen EU-Plan zu erstellen, der Menschen die vor Krieg und Hunger flüchten eine Lösung bietet."
Interessant. Die ganzen letzten Wochen und Monate war von Angela Merkel eigentlich nichts spezifisches zu hören.
In Deutschland brannten hunderte von Flüchtlingsheimen, die Sphinx Merkel regte sich nicht.
Jetzt erst, wenn das Blut der anständigen Bürger, auch ob der Dreistigkeit der sogenannten "Asylkritiker" und "besorgten Bürger" in Wallung gerät, scheint Frau Merkel so langsam, zumindest nach Außen hin, Farbe zu bekennen.
"Merkel" ist in anderen Ländern schon längst zum Synonym für "nichts tun" geworden. Und es ist einfach nur billig, wie die Frau sich verhält - es ist offensichtlich, dass allein politisches Kalkül hier ihre Richtschnur ist.
Bloß keine unpopulären Ansichten vertreten! Bloß nichts sagen oder tun, das bei den Umfragen Stimmen für die CDU kosten könnte.
Auch im Jahre 2015 bleibt die deutsche Politik also, was sie schon immer war: kalkulierend, verlogen, unmenschlich und herzlos.
Im Zentrum nichts neues.
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Freitag, 4. September 2015
Mittwoch, 7. Januar 2015
Nachricht an PEGIDA- und AfD-Anhänger anlässlich der Terroranschläge von Paris
Hallo alle Anhänger und Mitläufer von PEGIDA, der "AfD" und der NPD!
Anlässlich der heutigen Terroranschläge von Paris hört man aus Euren Lagern viele furchtbare und furchtbar dumme Dinge.
Eines möchte ich hier klar stellen:
Ihr seid quasi die andere Seite der Medaille in diesem Spiel. Extremisten wie ihr bedarft religiöser, in Eurem Fall islamischer, Terroristen quasi als Antagonisten in einem bösen Spiel.
Sogenannter "religiöser Terrorismus" hat mit Religion ungefähr so viel zu tun wie Fußpilz mit dem Turnschuh, der ihn verursachte.
In diesem Sinne seid Ihr, die Anhänger von PEGIDA, der AfD, der NPD etc... nichts anderes als der Fußpilz einer säkularen, demokratischen und auf Frieden ausgerichteten Gesellschaft.
Anlässlich der heutigen Terroranschläge von Paris hört man aus Euren Lagern viele furchtbare und furchtbar dumme Dinge.
Eines möchte ich hier klar stellen:
Ihr seid quasi die andere Seite der Medaille in diesem Spiel. Extremisten wie ihr bedarft religiöser, in Eurem Fall islamischer, Terroristen quasi als Antagonisten in einem bösen Spiel.
Sogenannter "religiöser Terrorismus" hat mit Religion ungefähr so viel zu tun wie Fußpilz mit dem Turnschuh, der ihn verursachte.
In diesem Sinne seid Ihr, die Anhänger von PEGIDA, der AfD, der NPD etc... nichts anderes als der Fußpilz einer säkularen, demokratischen und auf Frieden ausgerichteten Gesellschaft.
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Dienstag, 30. Dezember 2014
Deutschland, ein Winter-Albtraum oder: PEGIDA - Nicht MEIN Abendland!
Heinrich Heine liebte Deutschland. Am liebsten aus der Ferne. Er liebte es dafür, was es sein könnte, was es sein sollte.
Sein "Deutschland, ein Wintermärchen" war eine kritisch-humoristische Auseinandersetzung mit einem Land, dessen Kind er zwar war, dass ihm gegenüber jedoch mehr als unfair auftrat. Als deutscher Jude durfte er dort den Beruf eines Juristen nicht ausüben, und um der Zensur zu entgehen, emigrierte er nach Frankreich (sein Grab ist heute noch auf dem Pariser Montmartre-Friedhof zu finden).
Seine Heimatstadt Düsseldorf hat sich lange schwer getan mit dem bekanntesten Literaten der Stadt, fast 20 Jahre dauerte der Streit, bis die Düsseldorfer Universität endlich (seit 1989 erst!) Heinrich-Heine-Universität heissen kann.
Im 3. Reich waren seine Werke verboten, aber sein wohl bekanntestes Gedicht, die Loreley, war so deutsch und allgemein bekannt und bewundert, dass selbst die Nazis es nicht verbieten konnte. Letztlich entschlossen sie sich dazu, Heine die Urheberschaft abzuerkennen und in den Schulbüchern einfach als "Deutsches Volkslied" oder "Dichter: unbekannt" abzudrucken (zumindest wenn man Adorno glaubt).
Auch dieser Tage geht wieder ein Gespenst um in Deutschland. Leider ist es nicht das Gespenst des Kommunismus, sondern - frei nach Tolkien - der alte Feind ist wieder erwacht und wie es scheint, wird er zunächst vor allem im Osten sein dunkles Reich errichten können.
Ich spreche natürlich von der infamen "Pegida"-Bewegung, die mit ihren tumb-biederen Mitläufern sich selbst ernannt hat, das Abendland zu retten. Wovor? Na, vor der Islamisierung natürlich, stupid!
Islamisierung... klar, wer will das schon. Und natürlich ist die von den Bluthunden der Pegida-Bewegung so genannten "Lügenpresse" überhaupt nicht daran Schuld, dass die Angst (denn darum geht es ja im Kern bei den Anhängern und Mitläufern dieser Schmuddelgruppe) vor "den Islamisten" überhaupt erst auf fruchtbaren Boden fallen konnte, in Sachsen und inzwischen querbeet in der ganzen, bunten Republik Deutschland.
Islamisierung - warum die Angst vor diesem absurden Nicht-Ereignis, und warum ausgerechnet jetzt?
Der "Kalif von Köln" tobte doch schon vor Jahren (und ist er inzwischen nicht ausgewiesen?), nervige Konvertiten wie Pierre Vogel nimmt doch keiner wirklich ernst - und die Anzahl der Moscheen hält sich ja doch sehr in Grenzen.
Mehr - die Statistik (fragen sie mal einen Religionssoziologen/-wissenschaftler) gibt der ganzen Debatte um eine angebliche "Islamisierung" Deutschlands auch kein Futter: auch im Jahre 70 nach dem 2. Weltkrieg ist und bleibt der Islam die Religion von Migranten und deren Kindern. Ja, viele der Migranten sind natürlich inzwischen auch in Deutschland zu Hause, und ja, "der Islam" (den es ja so wenig gibt wie "das" Christentum, "das" Judentum oder "den" Buddhismus) ist inzwischen ein Teil der deutschen Gesellschaft.
Gesellschaftliche Diskurse bezüglich Themen wie "Integration" gibt es nun ja schon länger, was ich dabei immer vermisse ist die nicht-kulturzentrische Perspektive. Wie integriert ist ein (deutscher) Hamburger Hafenpunker, den es in ein schwäbisches Dorf verschlägt? Er dürfte dort weniger "integriert" sein als der türkische Einwohner, der bereits seit 40 Jahren dort wohnt und brav die Kehrwoche macht am Wochenende...
Wie dem auch sei: die Angst, die - mal wieder - vor allem im Osten der Republik Fuss fasst, dort, wo der Ausländeranteil viel zu gering ist (es ist meine feste Überzeugung, dass zu einer "gesunden" Gesellschaft ein gewisser, spürbarer Anteil an Ausländern gehört - alles andere führt zu Stagnation und schließlich zu Ignoranz), diese Angst ist zwar ein "Urdeutsches" Gefühl (selbst im Englischen spricht man von der "German angst"), jedoch geht mir so langsam die Geduld aus mit dem ewigen Rumgejammere auf hohem Niveau in Deutschland.
Es gibt ja tatsächlich Leute, die auf meine Pegida-Kritik hin mit Antworten daherkommen wie z.B. "Ja die Politiker sollten aber mal...." oder "Das sind nicht nur Idioten, die da demonstrieren, da verschafft sich gerechter Unmut Platz".
Wie bitte? Gerechter Unmut? Ich finde es fast noch widerlicher, wenn man versucht, diese Pegidioten auch noch in den Schutz zu nehmen, bzw. versucht, ihren Protest mit an den Haaren herbeigezogenen Gründen zu entschuldigen, die nichts, aber auch gar nichts mit dem fremdenfeindlichen Grundton dieser Demonstranten zu tun haben.
Ich höre von Zeit zu Zeit Argumente wie "die Politiker seien Schuld daran, weil sie das Volk ignoriert / den Islamisten den Hof gemacht / das Sozialsystem kollabieren haben lassen". Oder die sozialen Umstände bzw. Zustände im Osten seien Schuld.
Schön, ich sehe ein dass die Arbeitsmarktlage in Ostdeutschland weit weg von "optimal" liegt. Ich sehe ein, dass es dort ernstzunehmende demografische Verschiebungen gab, und so weiter und so fort.
Ich bin auch der erste, der dem Islamismus bzw. Salafisten gegenüber höchst kritisch gegenübersteht. Lange Jahre habe ich mich darüber gewundert, wie Islamisten manches Mal in Europa geduldet wurden.
Inzwischen weiss ich aber, dass nur eine rechtstaatliche Reaktion auf Extremisten die richtige Reaktion sein kann und sein darf. Wer wie die USA alle seine Grundsätze und Prinzipien über Bord wirft, aus Angst, Opfer eines erneuten Terroranschlags zu werden, und darauf hin Unschuldige entführt, foltert und tötet; wer den juristischen Grundsatz, ein Mensch sei so lange Unschuldig, bis die Schuld bewiesen mir nichts, dir nichts ersetzt durch die Annahme, jeder sei erstmal "verdächtig" und es bedürfe eines UNschuldsbeweises - DER gefährdet die Grundfesten des Abendlandes und der Aufklärung, der macht mit einem Mal alles zunichte, das von der Rennaissance bis in die Neuzeit brauchte, um letzten Endes nach zwei Weltkriegen Allgemeingut zu werden.
Deshalb: Pegida - Nein Danke.
Deshalb: Pegida - Nicht MEIN Abendland.
Sein "Deutschland, ein Wintermärchen" war eine kritisch-humoristische Auseinandersetzung mit einem Land, dessen Kind er zwar war, dass ihm gegenüber jedoch mehr als unfair auftrat. Als deutscher Jude durfte er dort den Beruf eines Juristen nicht ausüben, und um der Zensur zu entgehen, emigrierte er nach Frankreich (sein Grab ist heute noch auf dem Pariser Montmartre-Friedhof zu finden).
Seine Heimatstadt Düsseldorf hat sich lange schwer getan mit dem bekanntesten Literaten der Stadt, fast 20 Jahre dauerte der Streit, bis die Düsseldorfer Universität endlich (seit 1989 erst!) Heinrich-Heine-Universität heissen kann.
Im 3. Reich waren seine Werke verboten, aber sein wohl bekanntestes Gedicht, die Loreley, war so deutsch und allgemein bekannt und bewundert, dass selbst die Nazis es nicht verbieten konnte. Letztlich entschlossen sie sich dazu, Heine die Urheberschaft abzuerkennen und in den Schulbüchern einfach als "Deutsches Volkslied" oder "Dichter: unbekannt" abzudrucken (zumindest wenn man Adorno glaubt).
Auch dieser Tage geht wieder ein Gespenst um in Deutschland. Leider ist es nicht das Gespenst des Kommunismus, sondern - frei nach Tolkien - der alte Feind ist wieder erwacht und wie es scheint, wird er zunächst vor allem im Osten sein dunkles Reich errichten können.
Ich spreche natürlich von der infamen "Pegida"-Bewegung, die mit ihren tumb-biederen Mitläufern sich selbst ernannt hat, das Abendland zu retten. Wovor? Na, vor der Islamisierung natürlich, stupid!
Islamisierung... klar, wer will das schon. Und natürlich ist die von den Bluthunden der Pegida-Bewegung so genannten "Lügenpresse" überhaupt nicht daran Schuld, dass die Angst (denn darum geht es ja im Kern bei den Anhängern und Mitläufern dieser Schmuddelgruppe) vor "den Islamisten" überhaupt erst auf fruchtbaren Boden fallen konnte, in Sachsen und inzwischen querbeet in der ganzen, bunten Republik Deutschland.
Islamisierung - warum die Angst vor diesem absurden Nicht-Ereignis, und warum ausgerechnet jetzt?
Der "Kalif von Köln" tobte doch schon vor Jahren (und ist er inzwischen nicht ausgewiesen?), nervige Konvertiten wie Pierre Vogel nimmt doch keiner wirklich ernst - und die Anzahl der Moscheen hält sich ja doch sehr in Grenzen.
Mehr - die Statistik (fragen sie mal einen Religionssoziologen/-wissenschaftler) gibt der ganzen Debatte um eine angebliche "Islamisierung" Deutschlands auch kein Futter: auch im Jahre 70 nach dem 2. Weltkrieg ist und bleibt der Islam die Religion von Migranten und deren Kindern. Ja, viele der Migranten sind natürlich inzwischen auch in Deutschland zu Hause, und ja, "der Islam" (den es ja so wenig gibt wie "das" Christentum, "das" Judentum oder "den" Buddhismus) ist inzwischen ein Teil der deutschen Gesellschaft.
Gesellschaftliche Diskurse bezüglich Themen wie "Integration" gibt es nun ja schon länger, was ich dabei immer vermisse ist die nicht-kulturzentrische Perspektive. Wie integriert ist ein (deutscher) Hamburger Hafenpunker, den es in ein schwäbisches Dorf verschlägt? Er dürfte dort weniger "integriert" sein als der türkische Einwohner, der bereits seit 40 Jahren dort wohnt und brav die Kehrwoche macht am Wochenende...
Wie dem auch sei: die Angst, die - mal wieder - vor allem im Osten der Republik Fuss fasst, dort, wo der Ausländeranteil viel zu gering ist (es ist meine feste Überzeugung, dass zu einer "gesunden" Gesellschaft ein gewisser, spürbarer Anteil an Ausländern gehört - alles andere führt zu Stagnation und schließlich zu Ignoranz), diese Angst ist zwar ein "Urdeutsches" Gefühl (selbst im Englischen spricht man von der "German angst"), jedoch geht mir so langsam die Geduld aus mit dem ewigen Rumgejammere auf hohem Niveau in Deutschland.
Es gibt ja tatsächlich Leute, die auf meine Pegida-Kritik hin mit Antworten daherkommen wie z.B. "Ja die Politiker sollten aber mal...." oder "Das sind nicht nur Idioten, die da demonstrieren, da verschafft sich gerechter Unmut Platz".
Wie bitte? Gerechter Unmut? Ich finde es fast noch widerlicher, wenn man versucht, diese Pegidioten auch noch in den Schutz zu nehmen, bzw. versucht, ihren Protest mit an den Haaren herbeigezogenen Gründen zu entschuldigen, die nichts, aber auch gar nichts mit dem fremdenfeindlichen Grundton dieser Demonstranten zu tun haben.
Ich höre von Zeit zu Zeit Argumente wie "die Politiker seien Schuld daran, weil sie das Volk ignoriert / den Islamisten den Hof gemacht / das Sozialsystem kollabieren haben lassen". Oder die sozialen Umstände bzw. Zustände im Osten seien Schuld.
Schön, ich sehe ein dass die Arbeitsmarktlage in Ostdeutschland weit weg von "optimal" liegt. Ich sehe ein, dass es dort ernstzunehmende demografische Verschiebungen gab, und so weiter und so fort.
Ich bin auch der erste, der dem Islamismus bzw. Salafisten gegenüber höchst kritisch gegenübersteht. Lange Jahre habe ich mich darüber gewundert, wie Islamisten manches Mal in Europa geduldet wurden.
Inzwischen weiss ich aber, dass nur eine rechtstaatliche Reaktion auf Extremisten die richtige Reaktion sein kann und sein darf. Wer wie die USA alle seine Grundsätze und Prinzipien über Bord wirft, aus Angst, Opfer eines erneuten Terroranschlags zu werden, und darauf hin Unschuldige entführt, foltert und tötet; wer den juristischen Grundsatz, ein Mensch sei so lange Unschuldig, bis die Schuld bewiesen mir nichts, dir nichts ersetzt durch die Annahme, jeder sei erstmal "verdächtig" und es bedürfe eines UNschuldsbeweises - DER gefährdet die Grundfesten des Abendlandes und der Aufklärung, der macht mit einem Mal alles zunichte, das von der Rennaissance bis in die Neuzeit brauchte, um letzten Endes nach zwei Weltkriegen Allgemeingut zu werden.
Deshalb: Pegida - Nein Danke.
Deshalb: Pegida - Nicht MEIN Abendland.
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Freitag, 26. Dezember 2014
A New Hope
Verdammt lang her, verdammt lang, verdammt lang her.... einer der Songs, die in meiner Kindheit große Hits in Deutschland waren.
Deutschland, genauer gesagt: Baden-Württemberg, Landkreis Böblingen, Gemeinde Weil im Schönbuch.
Im Wald, an der Bundesstraße zwischen der Arbeiter-Doppelstadt Böblingen-Sindelfingen und der Universitätsstadt Tübingen.
Weil im Schönbuch, benannt nach dem römischen Wort "Villa", womit angeblich der Ort einmal begann, damals zur guten alten Römerzeit.
Ein Ort der Gegensätze - in den 90er Jahren war das Dorf eine von zwei Gemeinden im Landkreis, in dem die Rechtsextremen Republikaner Wahlerfolge hatten.
Das scheint inzwischen lange her, war für mich in der späten Jugend (ich bin Jahrgang 1975), und als Mischlingskind eines Deutsch-Arabo-Französischen Ehepaares mit arabischem Vornamen, sass ich auch hier wieder zwischen allen Stühlen.
Mein Vater ist inzwischen ein nicht nur im Ort, sondern in ganz Deutschland (und ein bisschen auch in Frankreich und in seiner Heimat Algerien) bekannter Märchenerzähler. Und die "Weilemer" (wahrscheinlich auch solche, die damals die "Republikaner" wählten) sind stolz auf ihren Künstler.
Arbeiterstadt <--> Unistadt; Deutsch <--> Ausländer, es gibt noch einen Gegensatz: mit meinem Vornamen nahm und nimmt ein jeder, der mich kennen lernt, an, ich sei Muslim. So ganz automatisch.
Nichts liegt mir jedoch ferner - die Familie meiner Mutter ist komplett Neuapostolisch, und da mein Vater, obwohl in Algerien von einer muslimischen Mutter erzogen, sich von Anfang an sagte: "Du bist hier Gast in diesem Land, dass Dich aufgenommen hat. Die Erziehung, gerade die religiöse, Deiner Kinder, überlässt Du mal schön Deiner Frau!" - nun, deshalb bin ich christlich erzogen worden. Wie damals bei den "Neuapostolen" üblich mit 3x die Woche in die Kirche rennen, Sonntagsschule für die Kinder, biblischer Geschichte und schließlich im Alter von 14 Jahren einer ordentlichen Konfirmation und dem quasi "automatischen" Beitritt in den Kirchenchor.
Das Ganze habe ich tatsächlich bis zum Alter von 17 Jahren mitgemacht, obwohl ich eigentlich schon im Alter von 12 anfing, dem Vorsteher immer weniger zu glauben von den "Stories", die er da von der Kanzel verkündete. Zu weit klafften für mich schon damals Anspruch der Predigten und die Realität des Vorgelebten (von den Kirchenmitgliedern) auseinander. Zudem fielen mir die vielen Widersprüche und unlogischen Passagen in den Predigten früh auf, und da ich mit Leib und Seele der Fantasy-Literatur verfallen war, interessierten mich Elfen, Magier und Drachen eh mehr als die Bibel.
Als ich mit 17 aus der Kirche austrat, war das nur die längst überfällige Folge eines bereits lange vollzogenen Prozesses gewesen.
Aber ich schweife ab....
Ja, wozu erzähle ich überhaupt so viel von meiner Herkunft und von den "Gegensätzen", zwischen denen ich aufwuchs?
Arbeiterklasse <--> Studentenstadt
Stadt <--> Wald
Deutschland <--> Frankreich, Algerien
Christentum <--> Islam (immerhin waren und sind viele meiner Cousins in Frankreich und Algerien Muslime)
Nun, um das zu erklären, muss ich noch mehr ausholen, bzw. weitererzählen.
Ich habe, nach einigen Umwegen (Ausbildung, Zivildienst, Arbeitsleben) 1999 das Studium der Japanologie und vergleichenden Religionswissenschaft an der Universität Tübingen begonnen, in dem Verlauf des Studiums auch ein Jahr in Kyôto gelebt und studiert, in Tübingen geheiratet und schließlich (ich hatte es noch nie eilig im Leben, das Ende kommt ganz von selbst) 2007 meinen Magister gemacht in der Absicht, eh an der Uni zu bleiben und Dozent, irgendwann natürlich Professor zu werden.
2007 kam aber auch die Firme Google auf mich zu und hatte mir das Angebot gemacht, im europäischen HQ in Dublin eine Stelle anzutreten. Was als Abenteuer für zwei, maximal drei Jahre begann, ist nun (Weihnachten 2014) siebeneinhalb Jahre her.
Und mein damals begonnenes "Auswandererblog" auf Wordpress (inzwischen migriert zu Blogger) lag Jahre lang brach - zu beschäftigt war ich, aber auch Facebook war Schuld, der alte Blog-Mörder.
Inzwischen bin ich zu aktiv auf Facebook geworden (ist ja auch so praktisch, mit all den "Freunden" die sich dort tummeln). Allerdings hat mich von Anfang an gestört, dass ich meine Beiträge dort nur sehr mühsam finde, dass sie auch nicht mir, sondern Facebook gehören (auch meine Fotos), und dass bei meinen weltanschaulich "heftigen" Status-Updates auch regelmässig Leute beleidigt waren, mir die Freundschaft kündigten und ähnliche Dramen.
Kurz: ich bin so langsam Facebook-Müde geworden, vor allem was ordentliche Texte angeht und Meinungsäußerungen, die ich nicht diskutieren will, zumindest nicht dort.
Und noch etwas ist passiert, gerade in diesem Herbst / Winter 2014. Es hat den seltsamen Namen "Pegida" und ist seit meinem Auswandern 2007 mit das Hässlichste, Dümmste und Schauderhafteste, was aus Deutschland in mein friedliches Insel-Exil vorgedrungen ist.
Ich bin erzürnt, erzürnt über die Masse an offensichtlichen Idioten, Rassisten und Mitläufern, die in Deutschland die Weihnachtszeit, das Weihnachtsfest und das Christentum mißbrauchen, sich zu selbsternannten "Rettern des Abendlandes" erklären, im Grunde aber nur Proleten, Rassisten und Wutbürger sind.
Wenn die Idioten und Gewalttäter anfangen, zu marschieren und zu skandieren, dann darf die Mehrheit der Anständigen nicht länger schweigen, egal wo auf der Welt sie sich aufhält.
So gesehen ist die "Pegida"-Bewegung mit ein Grund, warum ich wieder mit dem Schreiben eines Blogs angefangen habe. Mehr ein "Auslöser", denn in meinem Hinterkopf hatte sich schon seit Längerem der Vorsatz festgebissen, mehr zu schreiben, und weniger Zeit auf sogenannten "sozialen Netzwerken" zu verbringen.
Zwar ist mein eigentliches Ziel, mein lange in der Schublade liegendes Buch weiter zu schreiben, aber ohne Übung kein Meister, und das Schreiben eines Blogs soll mich wieder auf den Geschmack bringen. Zumal ich immer seltener auf Deutsch schreibe in den letzten Jahren, aber vor habe, die Mehrzahl meiner Blog-Beiträge hier auf Deutsch zu verfassen.
Nun schließt sich der Kreis: verdammt lang her, dass ich einen Blog-Artikel geschrieben habe. Verdammt lang her, die friedliche Zeit der 70er und 80er-Jahre in Südwestdeutschland, die ich als "Kindheit" erinnere, in der Eltern es noch "cool" und spannend fanden, ihrem Kind einen arabischen Namen zu geben (kein Mensch hatte damals an Islamisten oder Terroristen gedacht).
Das dieses Kind dann aber in den 2000ern - auch auf Grund des Namens - in Deutschland keine Anstellung fand und schließlich in Irland landete.
"Irisches Tagebuch" - einer meiner Literatur-Helden, Heinrich Böll, hat viel romantisch-verklärendes über Irland geschrieben. Ich gedenke nicht, in seine Fußstapfen zu treten (meine Irland-Erfahrung ist vermutlich mal eine andere geworden), aber hier sitze ich und kann nicht anders, auf meinem Berg in Howth, an den Klippen, vor den Fenstern die Irische See und bei gutem Blick die Westküste von Wales vor Augen, die Irische Briese um die Nase und den Laptop auf dem Küchentisch - und mit dem festen Vorsatz versehen, das eine oder andere triviale (Essens-Fotos, Links zu meinem Bücher-Blog) und weniger triviale (Einblicke in und aus Irland, meine Meinung zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest) zu schreiben.
Na dann - zieht Euch mal warm an, Stormbringer is back.
Deutschland, genauer gesagt: Baden-Württemberg, Landkreis Böblingen, Gemeinde Weil im Schönbuch.
Im Wald, an der Bundesstraße zwischen der Arbeiter-Doppelstadt Böblingen-Sindelfingen und der Universitätsstadt Tübingen.
Weil im Schönbuch, benannt nach dem römischen Wort "Villa", womit angeblich der Ort einmal begann, damals zur guten alten Römerzeit.
Ein Ort der Gegensätze - in den 90er Jahren war das Dorf eine von zwei Gemeinden im Landkreis, in dem die Rechtsextremen Republikaner Wahlerfolge hatten.
Das scheint inzwischen lange her, war für mich in der späten Jugend (ich bin Jahrgang 1975), und als Mischlingskind eines Deutsch-Arabo-Französischen Ehepaares mit arabischem Vornamen, sass ich auch hier wieder zwischen allen Stühlen.
Mein Vater ist inzwischen ein nicht nur im Ort, sondern in ganz Deutschland (und ein bisschen auch in Frankreich und in seiner Heimat Algerien) bekannter Märchenerzähler. Und die "Weilemer" (wahrscheinlich auch solche, die damals die "Republikaner" wählten) sind stolz auf ihren Künstler.
Arbeiterstadt <--> Unistadt; Deutsch <--> Ausländer, es gibt noch einen Gegensatz: mit meinem Vornamen nahm und nimmt ein jeder, der mich kennen lernt, an, ich sei Muslim. So ganz automatisch.
Nichts liegt mir jedoch ferner - die Familie meiner Mutter ist komplett Neuapostolisch, und da mein Vater, obwohl in Algerien von einer muslimischen Mutter erzogen, sich von Anfang an sagte: "Du bist hier Gast in diesem Land, dass Dich aufgenommen hat. Die Erziehung, gerade die religiöse, Deiner Kinder, überlässt Du mal schön Deiner Frau!" - nun, deshalb bin ich christlich erzogen worden. Wie damals bei den "Neuapostolen" üblich mit 3x die Woche in die Kirche rennen, Sonntagsschule für die Kinder, biblischer Geschichte und schließlich im Alter von 14 Jahren einer ordentlichen Konfirmation und dem quasi "automatischen" Beitritt in den Kirchenchor.
Das Ganze habe ich tatsächlich bis zum Alter von 17 Jahren mitgemacht, obwohl ich eigentlich schon im Alter von 12 anfing, dem Vorsteher immer weniger zu glauben von den "Stories", die er da von der Kanzel verkündete. Zu weit klafften für mich schon damals Anspruch der Predigten und die Realität des Vorgelebten (von den Kirchenmitgliedern) auseinander. Zudem fielen mir die vielen Widersprüche und unlogischen Passagen in den Predigten früh auf, und da ich mit Leib und Seele der Fantasy-Literatur verfallen war, interessierten mich Elfen, Magier und Drachen eh mehr als die Bibel.
Als ich mit 17 aus der Kirche austrat, war das nur die längst überfällige Folge eines bereits lange vollzogenen Prozesses gewesen.
Aber ich schweife ab....
Ja, wozu erzähle ich überhaupt so viel von meiner Herkunft und von den "Gegensätzen", zwischen denen ich aufwuchs?
Arbeiterklasse <--> Studentenstadt
Stadt <--> Wald
Deutschland <--> Frankreich, Algerien
Christentum <--> Islam (immerhin waren und sind viele meiner Cousins in Frankreich und Algerien Muslime)
Nun, um das zu erklären, muss ich noch mehr ausholen, bzw. weitererzählen.
Ich habe, nach einigen Umwegen (Ausbildung, Zivildienst, Arbeitsleben) 1999 das Studium der Japanologie und vergleichenden Religionswissenschaft an der Universität Tübingen begonnen, in dem Verlauf des Studiums auch ein Jahr in Kyôto gelebt und studiert, in Tübingen geheiratet und schließlich (ich hatte es noch nie eilig im Leben, das Ende kommt ganz von selbst) 2007 meinen Magister gemacht in der Absicht, eh an der Uni zu bleiben und Dozent, irgendwann natürlich Professor zu werden.
2007 kam aber auch die Firme Google auf mich zu und hatte mir das Angebot gemacht, im europäischen HQ in Dublin eine Stelle anzutreten. Was als Abenteuer für zwei, maximal drei Jahre begann, ist nun (Weihnachten 2014) siebeneinhalb Jahre her.
Und mein damals begonnenes "Auswandererblog" auf Wordpress (inzwischen migriert zu Blogger) lag Jahre lang brach - zu beschäftigt war ich, aber auch Facebook war Schuld, der alte Blog-Mörder.
Inzwischen bin ich zu aktiv auf Facebook geworden (ist ja auch so praktisch, mit all den "Freunden" die sich dort tummeln). Allerdings hat mich von Anfang an gestört, dass ich meine Beiträge dort nur sehr mühsam finde, dass sie auch nicht mir, sondern Facebook gehören (auch meine Fotos), und dass bei meinen weltanschaulich "heftigen" Status-Updates auch regelmässig Leute beleidigt waren, mir die Freundschaft kündigten und ähnliche Dramen.
Kurz: ich bin so langsam Facebook-Müde geworden, vor allem was ordentliche Texte angeht und Meinungsäußerungen, die ich nicht diskutieren will, zumindest nicht dort.
Und noch etwas ist passiert, gerade in diesem Herbst / Winter 2014. Es hat den seltsamen Namen "Pegida" und ist seit meinem Auswandern 2007 mit das Hässlichste, Dümmste und Schauderhafteste, was aus Deutschland in mein friedliches Insel-Exil vorgedrungen ist.
Ich bin erzürnt, erzürnt über die Masse an offensichtlichen Idioten, Rassisten und Mitläufern, die in Deutschland die Weihnachtszeit, das Weihnachtsfest und das Christentum mißbrauchen, sich zu selbsternannten "Rettern des Abendlandes" erklären, im Grunde aber nur Proleten, Rassisten und Wutbürger sind.
Wenn die Idioten und Gewalttäter anfangen, zu marschieren und zu skandieren, dann darf die Mehrheit der Anständigen nicht länger schweigen, egal wo auf der Welt sie sich aufhält.
So gesehen ist die "Pegida"-Bewegung mit ein Grund, warum ich wieder mit dem Schreiben eines Blogs angefangen habe. Mehr ein "Auslöser", denn in meinem Hinterkopf hatte sich schon seit Längerem der Vorsatz festgebissen, mehr zu schreiben, und weniger Zeit auf sogenannten "sozialen Netzwerken" zu verbringen.
Zwar ist mein eigentliches Ziel, mein lange in der Schublade liegendes Buch weiter zu schreiben, aber ohne Übung kein Meister, und das Schreiben eines Blogs soll mich wieder auf den Geschmack bringen. Zumal ich immer seltener auf Deutsch schreibe in den letzten Jahren, aber vor habe, die Mehrzahl meiner Blog-Beiträge hier auf Deutsch zu verfassen.
Nun schließt sich der Kreis: verdammt lang her, dass ich einen Blog-Artikel geschrieben habe. Verdammt lang her, die friedliche Zeit der 70er und 80er-Jahre in Südwestdeutschland, die ich als "Kindheit" erinnere, in der Eltern es noch "cool" und spannend fanden, ihrem Kind einen arabischen Namen zu geben (kein Mensch hatte damals an Islamisten oder Terroristen gedacht).
Das dieses Kind dann aber in den 2000ern - auch auf Grund des Namens - in Deutschland keine Anstellung fand und schließlich in Irland landete.
"Irisches Tagebuch" - einer meiner Literatur-Helden, Heinrich Böll, hat viel romantisch-verklärendes über Irland geschrieben. Ich gedenke nicht, in seine Fußstapfen zu treten (meine Irland-Erfahrung ist vermutlich mal eine andere geworden), aber hier sitze ich und kann nicht anders, auf meinem Berg in Howth, an den Klippen, vor den Fenstern die Irische See und bei gutem Blick die Westküste von Wales vor Augen, die Irische Briese um die Nase und den Laptop auf dem Küchentisch - und mit dem festen Vorsatz versehen, das eine oder andere triviale (Essens-Fotos, Links zu meinem Bücher-Blog) und weniger triviale (Einblicke in und aus Irland, meine Meinung zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest) zu schreiben.
Na dann - zieht Euch mal warm an, Stormbringer is back.
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