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Freitag, 26. Dezember 2014

A New Hope

Verdammt lang her, verdammt lang, verdammt lang her.... einer der Songs, die in meiner Kindheit große Hits in Deutschland waren.

Deutschland, genauer gesagt: Baden-Württemberg, Landkreis Böblingen, Gemeinde Weil im Schönbuch.

Im Wald, an der Bundesstraße zwischen der Arbeiter-Doppelstadt Böblingen-Sindelfingen und der Universitätsstadt Tübingen.

Weil im Schönbuch, benannt nach dem römischen Wort "Villa", womit angeblich der Ort einmal begann, damals zur guten alten Römerzeit.

Ein Ort der Gegensätze - in den 90er Jahren war das Dorf eine von zwei Gemeinden im Landkreis, in dem die Rechtsextremen Republikaner Wahlerfolge hatten.

Das scheint inzwischen lange her, war für mich in der späten Jugend (ich bin Jahrgang 1975), und als Mischlingskind eines Deutsch-Arabo-Französischen Ehepaares  mit arabischem Vornamen, sass ich auch hier wieder zwischen allen Stühlen.

Mein Vater ist inzwischen ein nicht nur im Ort, sondern in ganz Deutschland (und ein bisschen auch in Frankreich und in seiner Heimat Algerien) bekannter Märchenerzähler. Und die "Weilemer" (wahrscheinlich auch solche, die damals die "Republikaner" wählten) sind stolz auf ihren Künstler.

Arbeiterstadt <--> Unistadt; Deutsch <--> Ausländer, es gibt noch einen Gegensatz: mit meinem Vornamen nahm und nimmt ein jeder, der mich kennen lernt, an, ich sei Muslim. So ganz automatisch.

Nichts liegt mir jedoch ferner - die Familie meiner Mutter ist komplett Neuapostolisch, und da mein Vater, obwohl in Algerien von einer muslimischen Mutter erzogen, sich von Anfang an sagte: "Du bist hier Gast in diesem Land, dass Dich aufgenommen hat. Die Erziehung, gerade die religiöse, Deiner Kinder, überlässt Du mal schön Deiner Frau!" - nun, deshalb bin ich christlich erzogen worden. Wie damals bei den "Neuapostolen" üblich mit 3x die Woche in die Kirche rennen, Sonntagsschule für die Kinder, biblischer Geschichte und schließlich im Alter von 14 Jahren einer ordentlichen Konfirmation und dem quasi "automatischen" Beitritt in den Kirchenchor.

Das Ganze habe ich tatsächlich bis zum Alter von 17 Jahren mitgemacht, obwohl ich eigentlich schon im Alter von 12 anfing, dem Vorsteher immer weniger zu glauben von den "Stories", die er da von der Kanzel verkündete. Zu weit klafften für mich schon damals Anspruch der Predigten und die Realität des Vorgelebten (von den Kirchenmitgliedern) auseinander. Zudem fielen mir die vielen Widersprüche und unlogischen Passagen in den Predigten früh auf, und da ich mit Leib und Seele der Fantasy-Literatur verfallen war, interessierten mich Elfen, Magier und Drachen eh mehr als die Bibel.

Als ich mit 17 aus der Kirche austrat, war das nur die längst überfällige Folge eines bereits lange vollzogenen Prozesses gewesen.

Aber ich schweife ab....

Ja, wozu erzähle ich überhaupt so viel von meiner Herkunft und von den "Gegensätzen", zwischen denen ich aufwuchs?

Arbeiterklasse <--> Studentenstadt
Stadt <--> Wald
Deutschland <--> Frankreich, Algerien
Christentum <--> Islam (immerhin waren und sind viele meiner Cousins in Frankreich und Algerien Muslime)

Nun, um das zu erklären, muss ich noch mehr ausholen, bzw. weitererzählen.

Ich habe, nach einigen Umwegen (Ausbildung, Zivildienst, Arbeitsleben) 1999 das Studium der Japanologie und vergleichenden Religionswissenschaft an der Universität Tübingen begonnen, in dem Verlauf des Studiums auch ein Jahr in Kyôto gelebt und studiert, in Tübingen geheiratet und schließlich (ich hatte es noch nie eilig im Leben, das Ende kommt ganz von selbst) 2007 meinen Magister gemacht in der Absicht, eh an der Uni zu bleiben und Dozent, irgendwann natürlich Professor zu werden.

2007 kam aber auch die Firme Google auf mich zu und hatte mir das Angebot gemacht, im europäischen HQ in Dublin eine Stelle anzutreten. Was als Abenteuer für zwei, maximal drei Jahre begann, ist nun (Weihnachten 2014) siebeneinhalb Jahre her.

Und mein damals begonnenes "Auswandererblog" auf Wordpress (inzwischen migriert zu Blogger) lag Jahre lang brach - zu beschäftigt war ich, aber auch Facebook war Schuld, der alte Blog-Mörder.

Inzwischen bin ich zu aktiv auf Facebook geworden (ist ja auch so praktisch, mit all den "Freunden" die sich dort tummeln). Allerdings hat mich von Anfang an gestört, dass ich meine Beiträge dort nur sehr mühsam finde, dass sie auch nicht mir, sondern Facebook gehören (auch meine Fotos), und dass bei meinen weltanschaulich "heftigen" Status-Updates auch regelmässig Leute beleidigt waren, mir die Freundschaft kündigten und ähnliche Dramen.

Kurz: ich bin so langsam Facebook-Müde geworden, vor allem was ordentliche Texte angeht und Meinungsäußerungen, die ich nicht diskutieren will, zumindest nicht dort.

Und noch etwas ist passiert, gerade in diesem Herbst / Winter 2014. Es hat den seltsamen Namen "Pegida" und ist seit meinem Auswandern 2007 mit das Hässlichste, Dümmste und Schauderhafteste, was aus Deutschland in mein friedliches Insel-Exil vorgedrungen ist.

Ich bin erzürnt, erzürnt über die Masse an offensichtlichen Idioten, Rassisten und Mitläufern, die in Deutschland die Weihnachtszeit, das Weihnachtsfest und das Christentum mißbrauchen, sich zu selbsternannten "Rettern des Abendlandes" erklären, im Grunde aber nur Proleten, Rassisten und Wutbürger sind.

Wenn die Idioten und Gewalttäter anfangen, zu marschieren und zu skandieren, dann darf die Mehrheit der Anständigen nicht länger schweigen, egal wo auf der Welt sie sich aufhält.

So gesehen ist die "Pegida"-Bewegung mit ein Grund, warum ich wieder mit dem Schreiben eines Blogs angefangen habe. Mehr ein "Auslöser", denn in meinem Hinterkopf hatte sich schon seit Längerem der Vorsatz festgebissen, mehr zu schreiben, und weniger Zeit auf sogenannten "sozialen Netzwerken" zu verbringen.

Zwar ist mein eigentliches Ziel, mein lange in der Schublade liegendes Buch weiter zu schreiben, aber ohne Übung kein Meister, und das Schreiben eines Blogs soll mich wieder auf den Geschmack bringen. Zumal ich immer seltener auf Deutsch schreibe in den letzten Jahren, aber vor habe, die Mehrzahl meiner Blog-Beiträge hier auf Deutsch zu verfassen.

Nun schließt sich der Kreis: verdammt lang her, dass ich einen Blog-Artikel geschrieben habe. Verdammt lang her, die friedliche Zeit der 70er und 80er-Jahre in Südwestdeutschland, die ich als "Kindheit" erinnere, in der Eltern es noch "cool" und spannend fanden, ihrem Kind einen arabischen Namen zu geben (kein Mensch hatte damals an Islamisten oder Terroristen gedacht).

Das dieses Kind dann aber in den 2000ern - auch auf Grund des Namens - in Deutschland keine Anstellung fand und schließlich in Irland landete.

"Irisches Tagebuch" - einer meiner Literatur-Helden, Heinrich Böll, hat viel romantisch-verklärendes über Irland geschrieben. Ich gedenke nicht, in seine Fußstapfen zu treten (meine Irland-Erfahrung ist vermutlich mal eine andere geworden), aber hier sitze ich und kann nicht anders, auf meinem Berg in Howth, an den Klippen, vor den Fenstern die Irische See und bei gutem Blick die Westküste von Wales vor Augen, die Irische Briese um die Nase und den Laptop auf dem Küchentisch - und mit dem festen Vorsatz versehen, das eine oder andere triviale (Essens-Fotos, Links zu meinem Bücher-Blog) und weniger triviale (Einblicke in und aus Irland, meine Meinung zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest) zu schreiben.

Na dann - zieht Euch mal warm an, Stormbringer is back.

Freitag, 20. Mai 2011

Nearly 50,000 residential mortgages in arrears of three months or more – TheJournal

Mehr als 50.000 Hypotheken sind 3 Monate oder länger überfällig.


http://www.thejournal.ie/nearly-50000-residential-mortgages-in-arrears-of-three-months-or-more-140369-May2011/

An Post

40% der Arbeit der irischen Post besteht in der Auszahlung von Sozialhilfe. Hoffen wir mal dass die restlichen 60% mit dem Ausliefern der Amazon-Bestellungen von Angestellten verbracht werden...

Dienstag, 12. Januar 2010

"Sibirische Verhältnisse" in Irland? Titelt zumindest die "taz" :-)

http://www.taz.de/1/wahrheit/artikel/1/sibirische-verhaeltnisse/

Als Exil-Deutscher in Dublin kann ich da nur aus vollstem Herzen zustimmen. Bei jeder Zeile.

Dieses bescheuerte Volk... verlegt Wasserleitungen wie in einem Karibik-Staat, und bei -5 Grad platzen die Rohre an allen Ecken und Enden.
Und vor Angst, dass Rohre platzen, haben wohl tausende von Iren das Wasser zu Hause einfach laufen lassen, tagelang.

Es gibt ja in Irland (zumindest im Großraum Dublin) keine Wassergebühren, Wasser ist also kostenlos. Ergebnis: Wassermangel!  Auch vor unserem Supermarkt steht inzwischen ein Tanklastwagen,
der Notrationen an Wasser verteilt. Bei vielen meiner Kollegen gibt es seit gestern wegen des geringen Wasserdrucks kein Leitungswasser mehr.

Entwicklungsland...

Donnerstag, 7. Januar 2010

Winterchaos in Irland

http://www.rte.ie/news/2010/0107/weather.html

Es ist schon ulkig, was hierzulande ein bisschen Schnee und Kälte anrichten können.

Seit ein paar Tagen ist es so richtig kalt geworden, die Temperaturen waren letzte Nach sogar bei -8° (!), in der Tat die kälteste Temperatur seit wir in Irland leben.

Gestern bereits entstand in Dublin ein wahres Verkehrschaos. Da fallen mal 3 Schneeflocken und schon liegt der gesamte Verkehr lahm: keine Busse fahren mehr, die Autos kommen nur langsam und schleppend voran. Und da hier kein richtiger Winterdienst existiert, sind alle Gehwege und Strassen eisglatt, man bleibt also am Besten zu Hause.

Sogar Schulen schliessen im ganzen Land, und Flughäfen... nur meine Bahn fährt weiterhin pünktlich, bin schon gespannt wann die auch ausfällt wegen Eisglätte auf den Schienen :-)

Angst habe ich nur vor meiner nächsten Gasrechnung. Wegen der nicht vorhandenen Isolation unseres Hauses haben wir die Heizung inzwischen fast im Dauerbetrieb, ich schätze die nächste Rechnung wird so im 500 - 600 Euro-Bereich liegen (für Dezember und Januar). Juchhei, wieder kein Geld zum nach Deutschland fliegen...

Samstag, 26. Dezember 2009

Enttäuschende Weihnachts-Ansprachen

Die Weihnachts-Ansprache der Bischöfe von Armagh für Irland und der Queen für Großbritannien waren dieses Jahr relativ enttäuschend.

Vor allem die irischen Bischöfe enttäuschten auf ganzer Linie.
Nicht nur dass die Greise unsicher in die Kamera blickten,  sie sprachen lieber über die Rezession und die Wiederentdeckung der Armut im Land, anstatt das Thema "Kindesmißbrauch durch kranke Priester" auch nur anzudeuten.

Sie betonten die Wichtigkeit von Vertrauen und Menschlichkeit, Solidarität etc... und wurden dann dabei gezeigt, wie sie in Dundalk soziale Einrichtungen besuchten etc... - so als wäre nichts geschehen.

Ich habe inzwischen gehört dass der Bischof von Armagh zumindest in der Christmette in Dundalk klar Stellung bezogen hat und die Gläubigen dazu aufrief, die Kirche zu erneuern etc... - aber ich hätte mir solche Worte gerade in der offiziellen TV-Ansprache zum Julfest gewünscht.

Ebenso enttäuschend (da indirekt) war die Weihnachts-Ansprache der Queen auf BBC. Auch sie hat lediglich die Rezession beim Namen genannt, sich ansonsten aber in indirekten Floskeln zum Wert des Commonwealth verloren. Natürlich, die Queen ist ja dafür bekannt, dass sie die Dinge nicht direkt anspricht sondern darauf baut, dass die Interpreten ihrer Reden schlau genug sind, um zwischen den Zeilen zu lesen.

England sah im Jahr 2009 ausser der Rezession ja v.a. das Erstarken einer extrem rechtsradikalen Partei. Die "BNP - British National Party" proklamiert z.B. die Überlegenheit der weißen Rasse gegenüber allen anderen Rassen, und macht mehr oder weniger direkt klar, dass sie Engländer nicht-weißer Hautfarbe für Engländer zweiter Klasse bzw. eben NICHT für Engländer hält.

Die Queen hat in ihrer Ansprache wohl deshalb so stark auf die Wichtigkeit des Commonwealth hingewiesen, es waren Video-Ausschnitte von ihren Besuchen in Südafrika und Trinidad & Tobago zu sehen, wo schwarze Commonwealth-Musiker auf Calypso-Trommeln "God Save the Queen" spielten. Sie wies explizit darauf hin, dass die Werte des Commonwealth Unterschiede in Religion, Nationalität oder Rasse überwinden. Und dass es Teil des christlichen Wertesystems sei, anderen stets eine helfende Hand auszustrecken, egal wer oder woher sie sind.

Alles in allem war die Ansprach der Queen überzeugender und tiefgründer als das floskenhafte Gebabbel der irischen Bischöfe.

Was mich nun interessieren würde ist, ob die Iren dieses Jahr insgesamt weniger zahlreich zu den Christmetten erschienen sind als in den letzten Jahren.

Weihnachtstags-Brand in Irland: St. Mel's Kathedrale in Longford ausgebrannt

http://www.irishcentral.com/news/Fire-destroys-Irish-national-treasures--80130807.html

Immer wenn ich aufhöre, an Karma zu glauben, begegnet es mir wieder.

Was soll ich sagen? Geschiet einer totalitären Organisation wie der rk-Kirche eigentlich ganz recht, dass ihr Führer im Ritus gestört und ihre Gebäude zerstört werden.
Natürlich ist es unter historisch-künstlerisch-kulturwissenschaftlichen Aspekten eine Tragödie, dass so alte Glasfenster und Ritualgegenstände daran glauben mussten.

Aber wer Kinder über Generationen hinweg zu tausenden Mißbraucht, dem sollte eigentlich noch viel schlimmeres angetan werden.

Merry Christmas!

Montag, 7. Dezember 2009

TCM in Dublin

Die Chinesen sind ja inzwischen die größte Ethnie an Einwanderern in Irland, denn seit dem Ende des irischen Wirtschaftswunders 2008 sind viele polnische Einwanderer wieder zurück in ihre Heimat jenseits der Oder-Neiße gegangen.

Zwar bleiben die Chinesen "unter sich" und man (in diesem Falle: der durchschnittliche Ire) hat mit ihnen im Alltag eigentlich keinen Kontakt, jedoch gibt es zwei essentielle Schnittpunkte, an denen einem die Chinesen hierzulande begegnen: beim Take-Away und in den Einkaufszentren und -straßen in Form von Akupunktur- und TCM-Retail-Geschäften.

Auch in "unserem" Standard-Einkaufszentrum auf der Northside, welches v.a. wegen des großen 24-h-Tesco - Supermarktes für uns interessant ist, gibt es ein solches Geschäft.

Und nach fast zweieinhalb Jahren auf der Insel bin ich nun zum ersten Mal dort Kunde gewesen.

Hintergrund:
In 2009 war ich ungewöhnlich oft krank, meist Grippe oder anginaartige bakterielle Infekte. Daher habe ich dieses Jahr ungewöhnlich oft Antibiotika genommen, mit dem Ergebnis, dass ich nun noch anfälliger für Infekte zu sein scheine. Gerade vor knapp 2 Wochen habe ich meinen letzten Antibiotika-Parcours beendet (und mit "Pro-Biotika" im Anschluss vergeblich versucht, mein Immunsystem danach positiv zu beeinflussen), aber dieses Wochenende meldeten sich wieder dieselben Beschwerden: Halsschmerzen beim Schlucken, Schnupfen und "Dumpfschädel". Es war zum Mäuse melken!

Auf Anregung meiner Frau bin ich dann einmal zu so einem "Gesundheits-Chinesen" gegangen, und dort hat mich der dort arbeitende "Arzt" dann ausgefragt und auch in den Hals geschaut (sicherlich ein heikles Thema, denn offiziell ist er bestimmt kein zugelassener Arzt). Er meinte, er würde mir eine maßgeschneiderte Kräutermischung anfertigen und ich solle in 30 Minuten wiederkommen, was ich zum Einkaufen nutzte.

Als ich zurück kam, waren die Angestellten dort noch voll mit der Herstellung meiner Medizin beschäftigt. 7 Tage lang soll ich die Medizin nehmen, und für jeden Tag hatten sie einen Pappteller auf dem Tresen ausgebreitet. Die Mitarbeitern nahm eine Unmenge an mir unbekannten und teilweise recht abenteuerlich anzusehenden Kräutern aus den Regalen und häufte auf dem Teller beachtliche Stapel an Kräutern an. Für jeden Tag ein Teller, der Inhalt wurde in 7 Papiertüten verteilt und ich aufgefordert, jeden Tag einen Sud herzustellen und die eine Hälfte sofort, z.B. abends, die andere Hälfte am Morgen danach zu trinken. In 7 Tagen soll ich wiederkommen.

Das krasse Vor-Ergebnis: bereits 2 Stunden nachdem ich gestern abend die erste Hälfte der ersten Dosis getrunken hatte, waren die Halsschmerzen weg und ich fühlte mich seltsam belebt. Heute fühle ich  mich hundemüde aber von Erkältungssymptomen keine Spur mehr. Was 2 Tage Halstabletten lutschen und Nasendusche nicht geschafft haben, hat die chinesische Medizin fast schon beängstigend schnell geschafft. Ich bin gespannt auf das Ergebnis nach 7 Tagen!

Flut in Irland

Wie man hier sieht, fordert die Flut in Irland bereits schwere Opfer:

http://morningglory2.wordpress.com/2007/07/26/crowds-panic-as-flood-threatens-ireland/

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Ärzte in Irland

...sind eine einzige Katastrophe.

 



Vor über 4 Wochen habe ich mir den rechten Daumen stark geprellt. Es ist zwar graduell besser geworden (= ich kann den Daumen bewegen), aber er ist immer noch geschwollen (das Kapselgelenk oder wie auch immer das heisst) und ich kann keine stark verschlossenen Flaschen o.ä. öffnen und auch beim Heben von Gegenständen hab ich Probleme.

 



4 (!) Ärzte haben den Daumen angeschaut. Anfangs meinten sie nur "ruhen lassen, Salbe drauf". Ganz schlimm ist die Ärztin direkt bei Google um die Ecke. Die hat sich den Daumen angeschaut, und da ich ihn bewegen kann gefolgert, er sei ja nicht gebrochen, also hätte Röntgen auch keinen Sinn. Beim ersten Mal hat sie mir Medizin verschrieben (irgendwas Entzündungshemmendes, Diflenac oder so ähnlich), beim zweiten Mal nur die Schultern gezuckt und gemeint, man könne nichts tun, es sei halt noch entzündet. Abwarten und Tee trinken halt.

Kassiert hat jeder Arzt. Ein Arztbesuch kostet jedesmal 55 Euro.

Nach über 4 Wochen sitze ich immer noch hier und der Daumen ist dick, nicht voll einsatzfähig und schmerzt bei Berühren der falschen Stellen.

Meine letzte Hoffnung ist jetzt, dass ich einen Orthopäden in Hamburg finde (bin nächste Woche drei Tage geschäftlich dort) und dass es nicht unbezahlbar wird, sich ohne Krankenversicherung so einen Arztbesuch zu leisten.

 



Vielleicht hat ja einer meiner Blog-Leser eine Idee, was sonst noch helfen könnte?

Mittwoch, 16. September 2009

Mord in Irland - Mord in Deutschland: ein Unterschied

Ich bin erstaunt über den Medien-Hype, den der Münchner S-Bahn-Mord in den deutschen Medien erfährt (bis hin zu bundesweiten Nachrichtensendungen!).

Hier in Irland sind solche und ähnliche Morde ziemlicher Alltag und immer nur eine kurze Notiz wert. Diesen Sommer gab es Wochenenden, an denen alleine im Großraum Dublin 2-3 Morde geschahen, teilweise so spektakulär, dass man daraus in Deutschland riesengroße Stories gemacht hätte.

Nicht so hier. Eine Frau, die mitten im Stadtzentrum, gleich um die Ecke bei O'Connell-Street am hellen Samstag-Nachmittag mit einem Küchenmesser in den Nacken gestochen wird und vor Ort verblutet.  Schießereien und Banden-Morde in Dublins Northside (z.b. im Vorort "Coolock", der direkt angrenzt an den 24-h-Tesco in welchem wir immer einkaufen). Etc., etc.... meist sind diese Morde nur eine Meldung in den Abendnachrichten desselben Tages wert, u.a. natürlich auch weil am nächsten Tag schon die nächsten Mord- und Totschlag-Geschichten anfallen.

Ich frage mich jetzt natürlich mehrere Dinge:

- wie kann es sein, dass in einem Land mit 80 Millionen Einwohner gefühlt weniger brutale Morde geschehen wie in einem 6-Millionen-Einwohner-Land?

- Ist das gar nicht so? Geschehen in Deutschland in absoluten Zahlen gemessen mehr Morde als in Irland?

- Wenn ja, welche Bedingungen muss so ein Mord erfüllen, um wie der jetzt in München in das nationale Bewusstsein vorzudringen?

- Ist es vielleicht im Gegensatz so, dass Irland so klein und friedlich ist, dass hier halt noch 100% der Gewalttaten in den Nachrichten auftauchen, was in Deutschland gar nicht mehr möglich ist? Entsteht deshalb der (falsche) Eindruck, dass Irland gewalttätiger sei als Deutschland?

Was für Fragen man sich so stellt, wenn man mit Influenza im Bett liegt...

Freitag, 3. April 2009

Irland zerbricht

Es ist schon krass mitanzusehen, wie das Land um einen herum immer mehr den Bach runter geht.

So rasant das Wirtschaftswachstum des "Keltischen Tigers" seit den 90er-Jahren war - der Zerfall ist noch viel schneller und krasser.

Inzwischen verlassen die hier lebenden Gastarbeiter das Land beinahe fluchtartig, die im Rekordtempo hochgezogenen Neubaugebiete werden zu leerstehenden Geisterstädten, und im irischen TV überschlagen sich die Horrormeldungen - keine RTE Abendnachrichten ohne eine Liste von weiteren Firmenschließungen und Massenentlassungen.

Januar-Februar wurden in der Republik Irland im Schnitt täglich 1000 Leute entlassen. Im März sah es schon besser aus - "nur" noch 500 Entlassungen / Tag.

Die Mieten fallen zum ersten Mal seit 10 Jahren, die "Landlords" (=Vermieter) haben Angst, dass ihre Mieter ausziehen, denn ohne massive Preissenkungen werden sie dann nur noch sehr schwer Nachmieter finden (und anders als in Deutschland muss der Mieter hier bei Auszug keine Nachmieter besorgen!).

Fast alle meiner Kollegen konnten nach Ablauf der einjährigen "Lease"-Verträge Mietkürzungen von teilweise 200, 300 Euro verhandeln.

Habe ich bislang gerne mal über meinen Arbeitgeber gescholten, halte ich mich jetzt damit erstmal zurück. Klar, Issues gibt es nach wie vor (in welchem Job gibt es die nicht?), andererseits fühlt man sich als "Googler" in Dublin momentan wie eines der glücklichen Tiere, die es zu Zeiten der Sintflut gerade noch so an Bord der "Arche Noah" geschafft haben.

Anders ausgedrückt: ich fühle mich derzeit wie ein Betrachter, der im sicheren Glaskasten sitzend anschaut, wie das Land um ihn herum versinkt.

Irland ist von der derzeitigen Wirtschaftskrise eines der am härtesten getroffenen Länder, der Preis des irren Wachstums war es eben, fast vollständig von der Laxheit der Banken und den niedrigen Steuern abhängig zu sein.

Spätestens da bekommt mein sicheres Glashaus dann aber auch schon die ersten Brüche: die irische Regierung wird in den nächsten Tagen auch die Unternehmenssteuer erstmalig anheben (bislang lag diese auf 12,5%) - für die meisten der US-amerikanischen Großunternehmen waren aber die niedrigen Steuern neben der englischsprachigen Bevölkerung DAS Hauptargument, sich überhaupt erst in Irland niederzulassen.

Und da mein Arbeitgeber nun auch schon erste Schritte in Richtung Personalabbau unternimmt, werden auch die Zeiten auf meiner "Arche Noah" stürmischer werden.

Deshalb erfreue ich  mich momentan auch eher mit gemischten Gefühlen an fallenden Preisen - seit heute Morgen hat das Grauen, welches eine Entlassung bedeuten kann, auch für mich ein persönliches Gesicht: in der Bahn saß mir eine deprimiert dreinschauende Frau gegenüber, die dann am Handy ihrem Gesprächspartner mitteilte, dass heute ein "grauenvoller Tag" sei: denn heute würden alle Kundenkonten nach Großbritannien transferiert, und dann sei es "dass auch gewesen", wobei klar aus Wortwahl und Stimmlage (und Blick) hervorging, dass heute ihr letzter Arbeitstag war.

Die Dame war schätzungsweise Anfang 40 und machte heute offensichtlich "als Letzte das Licht aus".

http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-karriere/:Deutsche-Irland-Flucht-Insel/659877.html

Sonntag, 1. Februar 2009

Warum ich zur Zeit kaum schreibe...

liegt wohl auch an Facebook. Spricht einer, der in letzter Zeit einen viel zu grossen Teil seiner Online-Zeit auf dem Fressenbuch verbringt (danke an Boris, glaub ich, für diese Wortschöpfung).

Ansonsten denke ich des öfteren an mögliche Blog-Artikel, nehme mir dann aber nie die Zeit, diese zu realisieren.

Nun denn, in letzter Zeit ist leider auch nicht viel passiert. Nachdem ich als bekennender Dauer-Süchtiger diverser US-TV-Serien diese alle auf dem neuesten Stand habe, entdecke ich momentan britische bzw. irische Serien. Britisch, weil die von mir derzeit konsumierten Serien alle vom englischen "Channel 4" produziert wurden, irisch weil immer zumindest ein Co-Autor dieser Serien der Ire Graham Linehan ist, und ausserdem immer zumindest einer der Hauptakteure Ire ist.

Die erste Serie, Father Ted, wurde gegen Mitte der 90'er-Jahre produziert und spielt in Connemara, Irland (und in Londoner Studios was die Innenszenen angeht). Hier ist so ziemlich der ganze Cast irisch, und der Grund, weshalb die Serie in England produziert wurde, ist die simple Tatsache dass der irische TV-Sender RTE Angst vor der katholischen Kirche und reaktionären Kreisen der irischen Bevölkerung hatte. Denn die Serie handelt in der Hauptsache von drei ziemlich schrägen Priestern, die auf der fiktiven Insel "Craggy Island" vor der irischen Westküste gemeinsam mit einer auch ziemlich schrägen Haushälterin in einem Pfarrhaus leben - v.a. weil ihr zuständiger Bischoff den Rest der Welt vor ihnen schützen möchte.

Die Serie war in Irland und England ein Riesenerfolg, leider starb der Hauptdarsteller Dermot Morgan 24 Stunden nach der letzten Folge der dritten Staffel auf der "Serien-Ends-Party" an einem Herzinfarkt. Trotzdem pures Gold irischer Humorkunst. Wir hatten die Serie eher durch Zufall entdeckt, weil um die Weihnachtszeit das "Father Ted Weihnachtsspecial" ausgestrahlt wurde.

Die nächste Serie ist "Black Books" und handelt von einem irischen, dem Alkohol verfallenen Misanthropen namens Bernhard Black, der in London eine Buchhandlung hat. Ähnlich wie im Film "High Fidelity" hasst er aber seine Kunden. Eine göttliche Serie, die aber leider auch nur 3 Staffeln lang ist.

Und eben so richtig entdeckt (und die ersten 2 Staffeln auf DVD geschaut) eine Serie, die Daniel uns schon vor über einem halben Jahr empfahl: The IT-Crowd. Linehans letzter Geniestreich (die 3. Staffel läuft eben erst im TV).

So und jetzt muss ich auch aufhören, denn der neueste Teil der IT-Crowd läuft gleich auf More4...

Samstag, 3. Januar 2009

Neues Jahr, neues Hamsterrad

Zunächst einmal wünsche ich allen Lesern meines Blogs (ja, Euch Beiden!) ein frohes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2009!

Zu meinen guten Vorsätzen für dieses Jahr gehört u.a. der Versuch, mit weniger Zynismus und Frust in die Welt zu blicken, was jedoch schon alleine beim Gedanken an die Rückkehr in die Firma nächsten Montag fast unmöglich erscheint.

Ich hatte diese Weihnachten das "Glück", zu erkranken (Gott sei Dank erst ab dem 27.12.) und bin seit dem 30.12 auf Antibiotika (Vorteil: an Sylvester reichten zwei Gläschen Lidl-Champagner, um mich in Stimmung zu bringen...). Ein weiteres Resultat meiner Erkrankung ist, dass ich nun schon seit einer Woche die meiste Zeit im Bett liege, und das obwohl draussen seitdem die Sonne scheint (ok, es ist kalt).

Ich habe in dieser Zeit einige Filme gesehen (Indy IV, Iron Man, 'The Kingdom, Narnia: Prince Caspian, The Dark Knight, The Seeker - The Dark is Rising...) und etliche Stunden "Final Fantasy (I)" auf meiner schicken PSP-Lite gedaddelt. Außerdem eine Novelle von Stefan Zweig gelesen ("Angst") sowie einige Bücher und Texte, über die ich in aller Öffentlichkeit lieber nicht spreche.

Ach ja, heute lass ich ein interessantes Interview mit Sloterdijk in der Süddeutschen, welches sich in einigen Aspekten mit Themen beschäftigt, die mich derzeit umtreiben.

Weniger Zynismus, positivere Attitüde an das Leben - klingt so einfach, aber ich kämpfe mit immensen inneren Widerständen wenn ich an meinen Job denke. Früher dachte ich, es sei normal, morgens mit einem Fluch auf den Lippen zu erwachen und die Arbeit als einen einzigen Verlust an Freiheit und Lebenszeit zu betrachten.

Als ich dann bei Google anfing, staunte ich über mich selbst, als ich selbst nach vier Monaten noch jeden Tag freudig gen Arbeit fuhr. Nun, dass hat sich seit einigen Monaten leider auch jetzt schon wieder ins Gegenteil gewandt. Mein Job ist zwar kein "Killer"-Job, meine Haupttätigkeit halte ich sogar für eher simpel und angenehm. Es sind die ganzen "Umstände" und "Begleitumstände", welche mir die Freude an der Arbeit kaputt machen.

Zunächst einmal sind da einige Kollegen bzw. deren Attitüden. Als ich bei Google anfing, dachte ich noch, wir stellen nur coole Leute ein und es sei wichtig, dass wir alle Spass an der Arbeit haben. Leider ist Google schon längst ein Magnet für Leute geworden, die sich ganz gut verstellen können, die in Wirklichkeit aber genauso karrieregeil sind wie anderswo auch.

Was mich aber am meisten stört ist es, mit Menschen zusammen zu arbeiten, deren gesamte Existenz sich fast ausschließlich um ihre Arbeit zu drehen scheint, sprich: Menschen, die ihr Selbstverständnis bzw. Selbstbild (fast) nur aus ihrem Job gewinnen. Mit diesen Menschen zusammen zu arbeiten ist leider sehr anstrengend, und leider ist ausgerechnet der Kollege, mit dem ich am Engsten zusammen arbeiten muss, genau von diesem Schlag.

Und leider kristallisiert sich immer mehr heraus, dass genau diese Art von Kollegen (übereifrige Wichtigtuer, die sich selbst und andere ständig mit ihrer überdrehten Motivation und ihrem Drang zu fast schon vulgärer Selbstdarstellung stressen) es dann auch schafft, befördert und vom Management gefördert zu werden.

So jemand wie ich, für den ein Job in erster Linie ein Mittel zum Broterwerb ist und der nach allen Kräften versucht, sich nach 18 Uhr geistig und seelisch aus allen arbeitsbezogenen Dingen "auszuloggen" (ich habe, zugegebenermassen, oft Probleme mich überhaupt erst richtig "einzuloggen" in den ganzen "Job-Komplex"); jemand der wie ich sein Selbstbild und den Sinn seines Lebens in Bereichen sieht und sucht, die nichts mit der Arbeit zu tun haben -- so jemand scheint schon von vorne herein zum Scheitern, zum Zynismus verurteilt zu sein.

Ich gestehe also: ich werde mich am Montag aus einem ganz einfachen Grund wieder in die Bahn gen Arbeitsplatz setzen: Geld.

Und auch die noch ausstehende Antwort der Firma Facebook auf mein dort inzwischen absolviertes Vor-Ort-Vorstellungsgespräch lässt mein Herz nicht höher schlagen -- ob ich nun für den Teufel oder für Beelzebub arbeite ist ja im Grunde auch egal, wo mir der Sinn doch nach ganz anderen Dingen steht...

Rückblickend auf das Jahr 2008 fühle ich mich seltsam dumpf, hohl und leer. Nicht nur dass ich Familie und Freunde sträflich vernachlässigt habe, nicht nur dass ich viel zu viel Zeit und Energie der Firma geopfert habe - im Grunde habe ich auch nichts bleibendes zum Ausgleich bekommen. Durch die hohen Mietpreise hier und die Unsummen, welche ich dem deutschen Staat für mein absolviertes Studium zurückzahlen muss, konnte ich noch nicht einmal Geld auf die Seite legen und wenn ich jetzt kündigte, würde ich mit leeren Händen dastehen. Ich hätte noch nicht einmal die Mittel, mich mitsamt meinen Besitztümern zurück nach Deutschland zurückzuschiffen.

Daher fühle ich mich im nun aufdämmernden 2009 weiterhin wie der gestrandete, verschuldete Wal, als welchen mich die Hartz-IV-Wellen 2007 an die Ufer Irlands spülten. Sehr frustrierend.

Die Frage, welche mich nun umtreibt, lautet also: wie Zynismus besiegen, wie eine positive Einstellung gewinnen? Eventuell durch Fatalismus? Schließlich könnte ich an meinen jetzigen Umständen nur durch radikale Schritte etwas verändern - etwa durch Kündigung und Flucht nach Deutschland unter Zurücklassen all meiner Besitztümer. Ein eher unwahrscheinliches Szenario.

Für alle, welche also nach wie vor denken: "Mensch, der Junge hats gut, hat nen Job bei Google!" sei also hier nochmals betont, dass es keine Rolle spielt, wo und wodurch man seine Brötchen verdient. Der wahre Sinn des Lebens liegt IMHO ausserhalb der Arbeits-Sphäre. Und ich habe momentan das ständige Gefühl, dass ich wichtige Zeit und Energie verliere, welche ich besser in Dinge investieren würde, welche mir wirklich etwas bedeuten (da ist immer noch der Romanentwurf auf meiner Festplatte...).

2009... ein weiteres Jahr bestehend aus 4 Quartalen, sprich 4 Zeiträumen, während derer wir "Targets" gesetzt bekommen und an deren Erfüllung oder Nichterfüllung wir gemessen werden. Panem et circenses. Divide et impera. Kindergarten.

Sonntag, 21. September 2008

Auch die Folter ist ein Meister aus Deutschland - immer noch!

Da sich die Lage hier in Irland, v.a. in der Dubliner "Northside" derzeit erheblich verschlechtert, spiele ich mit dem Gedanken, mir einen Elektroschocker zuzulegen.

Die kann man in Deutschland ganz einfach im Webshop kaufen, die Wirkung soll nicht-tödlich sein usw usf.

Interessant fand ich in dem Zusammenhang den entsprechenden Wikipedia-Artikel, der mich darüber aufklärte, dass die angeblich so harmlosen Elektroschocker zu den Lieblingsgeräten von Folterern gehören (ein Thema, mit dem ich mich bislang nicht beschäftigt habe, ausser den üblichen Nachrichtenmeldungen waren mir dbzl. kaum Fakten bekannt).

Krass fand ich dann noch die "wirtschaftlichen Daten" zum Handel mit Elektroschockern:

Deutschland ist hinter den USA der zweitgrößte Exporteur von Elektroschockern. Abnehmer sind unter anderem Georgien, Bangladesh, Iran und Usbekistan.



An anderer Stelle steht:


Der UNO-Sonderberichterstatter für Menschenrechte, sagte: „Es sind sehr, sehr gängige Folterwaffen, so ausgerichtet, dass sie keine bleibenden Spuren hinterlassen das heißt, eine Foltermethode, die sehr starke Schmerzen verursacht, aber nicht wirklich nachweisbar ist, wenn man keine Zeugen hat. Das ist das, was moderne Folterknechte am Liebsten haben.“


Um den Folterknechten dieser Welt so wenig Material wie möglich zu geben, haben zivilisiertere Länder als Deutschland dann eben auch die Ausfuhr solcher Waffen verboten: Großbritannien, Benelux-Staaten, Schweiz und die Skandinavischen Länder.

Samstag, 20. September 2008

Irland's Nazi-Supermarkt: Superquinn

In Sutton, wo wir wohnen, ist der einzige Supermarkt, den man auch bequem ohne Auto erreichen kann, die örtliche "Superquinn"-Filiale.

Superquinn ist der einzige "irische" Supermarkt auf der Insel und hält einen Marktanteil von 7%. Die "grossen" Supermarktketten hier sind die britischen Ketten "Tesco" und "Dunnes" und - Wunder, Wunder - die Deutschen "Lidl" und "Aldi".

Seit dem abrupten Ende des irischen Wirtschaftswachstums in 2007, und nun verstärkt durch die Finanzkrise, welche Irland neben Großbritannien und Spanien in Europa am Härtesten treffen wird, ist auch "Superquinn" stark ins Schwanken geraten, die Hauptaktionären wollen wohl aus dem Business aussteigen.

Für uns war die Begegnung mit "Superquinn" eine Begegnung der gemischten Gefühle. Nach den ersten 30 Tagen im poshen "D4" (wie Dublin 4, das Snob- und Yuppieviertel Dublins, in welchem sich auch das Büro von Google befindet), wo Edelketten wie "Fresh" oder total überteuerte "Spar"-Läden die einzige Einkaufsmöglichkeit darstellen, waren wir froh über "Superquinn".

Zwar empfanden wir die Preise dort immer noch als zu hoch, jedoch war die angebotene Qualität auch wesentlich höher. Viel wichtiger: Zum Markt gehört eine täglich aktive Bäckerei, ein Metzer mit vorzüglichem Fleischsortiment und eine sehr gute Auswahl an frischem Fisch und Meeresfrüchten zu erstaunlich günstigen Preisen.

Außerdem wurden wir schnell Fans des Einkaufssystems dort. Hat man sich als Haushalt bei Superquinn registriert, kann man im Eingangsbereich des Marktes mit der Kundenkarte einen Handscanner aktivieren und seine Einkäufe direkt in die Einkaufstaschen legen, denn man scannt sie selbst und gibt an der Spezialkasse einfach nur den Scanner ab - Schlange stehen entfällt hier also. Automatisch bekommt man dann jedes Quartal ein Bonusheft mit Einkaufsgutscheinen und Rabattmarken auf ausgewählte Produkte nach Hause geschickt.

Die Qualität der Produkte bei Superquinn liegt i.d.R. über dem deutschen Niveau, die Preise leider natürlich auch. Auch die Präsentation des Sortiments ist "edel", im Vergleich wirken deutsche Supermärkte wie "Supermarkt 1.0". :-)

Was mir allerdings immer schon seltsam anmutete, war die Tatsache dass auf den Kassenbons von Superquinn neben jedem Produkt irischer Herkunft ein kleines "Shamrock" (Kleeblatt) - Symbol gedruckt wird, und unter dem Gesamtkaufpreis steht in etwas kleinerer Schrift eine zweite Summer: "Summe irischer Produkte".

Irische Produkte werden auch überall im Markt optisch besonder hervorgehoben.

Auch auf der Homepage von Superquinn wird dezidiert darauf hingewiesen, dass das Unternehmen 100% in irischer Hand sei, also nicht mit den Supermärkten "aus Europa" verglichen werden könne...

http://www.superquinn.ie/multi/default.asp?itemid=134&multiItemId=135&section=Recruitment

"Superquinn is an international success story
Superquinn is a completely Irish family-owned company that has more than held its own against the cream of overseas competition for over 35 years."

Kollegen von mir lästern manchmal ein bisschen lächelnd, denn für die meisten Ex-Pats ist das Label "100% Irish" eher ein Abturner, ein Hinweis auf "teuer, aber von minderer Güte".

Seit jetzt bekannt wurde, dass Superquinn unter Liquiditätsengpässen leidet (im Zuge der irischen Wirtschaftkrise verzeichnen die Ketten "LIdl" und "Aldi" derzeit Zuwachsraten von 20% monatlich), fährt die Kette eine relativ aggressive (und nervige) Werbeaktion, auch im Fernsehen: "Proud to buy Irish".

Als Deutscher ist man ja geneigt, bei Käufen auf die Ökobilanz zu achten und einheimische Äpfel aus diesem Grund Erzeugnissen vom anderen Ende der Welt vorzuziehen. Mit Nationalismus oder Nationalstolz hat dies in Deutschland in aller Regel wenig zu tun.

Anders in Irland, wo man Irisch kauft weil Irisch irisch ist und nicht Ausländisch. Wo man nicht die Umwelt schützt, sondern Irland: "Keep Ireland tidy".

Etwas enttäuscht muss ich da an meinen alten Religionswissenschaftsprofessor denken, der stets darauf hinwies, dass auch die Geburtsstunde der Ökologie und des Umweltschutzes nicht etwa mit langhaarigen Abgeordneten in den 70er-Jahren zu verbinden sei, sondern eben zur Zeit des Nationalsozialismus verortet werden muss. Damals war Naturschutz allerdings auch primär Heimatschutz...

Sonntag, 14. September 2008

Deutschland, ein Herbst-Besuch

Zwischen dem 30.9. und dem 7.10. werde ich bei meinen Eltern in Süddeutschland weilen.

Sollte unter den Lesern meines Blogs tatsächlich ein Freund sein, der dazu noch zufällig zur selben Zeit im selben Raum weilt, dann mögen er oder sie sich bitte melden! :-)

Erst diesen Freitag war ich auf einer Abschiedsparty einer Kollegin im Pub, und bei den Bierpreisen hier wird die Sehnsucht dann noch verdoppelt: 5,40 Euronen für ne Halbe belgischer Hopfensuppe, dass muss echt nicht sein!

Montag, 25. August 2008

4. Umzug in 4 Jahren / Und ein Benz

So langsam hat die Sache System.... ab dem Jahr 2005 sind wir jedes Jahr umgezogen. So auch dieses Jahr (wieder). Langsam reichts.

Aber es machte Sinn. Dank der aktuellen irischen Wirtschaftskrise (Ende des Baubooms, offensichtliches Platzen der Immobilien-Blase vor einigen Monaten) gehen die Mieten tatsächlich runter - zum ersten Mal seit 15 Jahren.

OK, die Mietpreise im Großraum Dublin haben immer noch lächerliche Dimensionen (1600 Euro Kaltmiete für dünne Wände, schlechte Bäder, miese Heizungen... je nach Lage wenig Platz --> Dublin City: 3 Zimmer-Wohnung mit Mini-Balkon in einem als "posh" getarnten Plattenbau, Randbezirke Dublins: 4- bis 5-Zimmer Wohnung, ruhigere Lage, mit etwas Glück ist das Meer nicht weit) -- dennoch, als unsere "lease" sich ihrem Ende näherte und wir in nur 50m Luftlinie eine mindestens doppelt so große, hellere, modernere Wohnung mit Doppelverglasung sichteten, haben wir sofort zugegriffen.

Heute waren die Möbelpacker da und jetzt ist all unser Hab und Gut mit uns in einer ungewohnt großen Wohnung. Was heisst Wohnung: Reihenhaus. 2 Stockwerke + EG, Garten, Vorgarten mit Parkplatz, Gaszentralheizung - was will man mehr?

Ach ja, nette Nachbarn. Auf den ersten Blick scheinen wir da auch Glück zu haben. Im Reihenhaus zur linken, welches direkt an unseres angebaut ist, wohnt ein junges Paar mit Neugeborenem. Sie ist Irin und arbeitet bei British Telecom, er ist dem Akzent nach Engländer, Dozent am Trinity College und scheint sehr nett zu sein (Angebot, beim Wein ein Begrüßungs-Abendessen abzuhalten ist soeben eingegangen).

Zur linken wohnt ein alter Herr mit weissem Hund, der etwas grimmig Guckt aber sehr freundlich bei der Begrüßung war - sein Haus grenzt nicht direkt an unseres, und offensichtlich hat er noch nichts von passwortgeschütztem DSL gehört (wie sonst könnte ich jetzt diesen Eintrag schreiben, harharharharhar).

So, außerdem fahren wir jetzt Daimler. Ein Kollege verkaufte uns seinen 17 Jahre alten 190er Diesel mit 2.5-Liter-Motor und 160.000 miles Kilometerstand für 400 Euro - so viel kostet hier ein Mietwagen mit Vollkasko und Zweitfahrer für eine Woche. Wenn die Kiste auch nur ein paar Monate hält, hat sie Ihren Auftrag erfüllt. Aber da sie uns beim Umzug unschätzbare Dienste erwies, und wie mein guter alter Jörg sagte "selbst die Paddies" dieses Modell nicht kaputt bekommen denke ich dass wir einen guten Deal gemacht haben (wenn man ausserdem bedenkt, dass gebrauchte Kleinwagen von nach der Jahrtausendwende hier zu Lande nicht unter 7000-8000 Euro zu bekommen sind... dann erst recht).

Ach ja, Fotos von der neuen Bude gibt es, sobald wir richtig eingeräumt haben.

Mittwoch, 2. Juli 2008

Another reason to HATE Ireland...

ist das verdammte Wetter.

Ganz Europa geniesst im Moment einen richtigen Sommer.

Hier haben wir trübe 17-18 Grad, Wind und Regen. Eine Riesenscheiße.

Inzwischen ist mir endügltig klar, warum das Römische Imperium noch nicht einmal ansatzweise Überlegungen angestellt hatte, diese verdammte Insel zu erobern... selbst England scheint die guten Römer nicht wirklich begeistert zu haben.

Sollen die doofen Angelsachsen doch ihren Arthus-Kult pflegen und ihr Engelland verteidigen - wer will schon auf so verregneten Inseln leben?

Montag, 9. Juni 2008

"Yes" or "No" - Ireland's vote for the Lisbon treaty

This week a quit curious vote is held in Ireland: the country is voting if or if not the EU "Lisbon Treaty" will be accepted by the people of Ireland or not.

It is curious because Ireland, this small and rather insignificant country at the western outer ring of Europe is the only EU-country where a public vote is held.

And living in Ireland since last August I fear that the result will be a clear "No".

And that would not only be a shame for Ireland and the opening of another expensive and tiresome round of EU-wide negotiations, it would clearly show how unthankful the Irish are for all the EU has done for them.

Not even one generation (defining "a generation" to be a timespan of approximately 30 years) ago, Ireland was still the poorest country in the west-european hemisphere, a real "3rd world country" to be honest.

Everybody was leaving the country because there was no work and there were no jobs to find on this rainy island.

Somewhere after the 80s the "Celtic Tiger" hit the country more by surprise - and most Irish people think even today (or especially today?) that it was their own effort who brought them wealth the country hasn't known since people settled here.

After centuries of slavery under the British, Ireland gained his "freedom" from the crown but ended up the poorhouse of Europe, and Irish people were to be found everywhere in the world but in Ireland.

Nowadays, it has become the contrary: foreigners are coming to Ireland to an extend unknown so far, and the Irish - which always had the reputation of being a people caring about guests more than any other folk on this planet - turned out to be racist and ignorant, not accepting strangers as being equipped with equal rights then themselves.

But back to Lisbon and the Irish way towards the EU.

Let's make it clear: Ireland ows EVERYTHING to the EU money (which comes, btw, mainly from Germany, but this goes without saying...) which was pumped into the country until the 10 new member states in the east joined the EU in 2004.

Since then, economy has been slowing down, and only the fact that all the US-american multi-nationals were already established in the country and the low taxes helped not losing all the international capital at once.

But with the US-recession and crazily inflated property prices esp. in the Dublin region, with Polish workers finally going back home to Poland and construction slowing down rapidly, they seem to feel that the "old days" may yet come back again. No more "big EU money", less foreign investment - since I live here news are regularely full with documentaries picturing a dark and difficult future.

And then came Lisbon - and the astonishing thing is that all of a sudden the Irish seem to forget WHO made them rich. In all the discussions I hear, there is a underlying racist tone, and a VERY BRITISH manner towards the EU, saying "yes" to Europe only in cases where money is to be made, but being absolutely not interested in a really open and reformed Union.

The Lisbon treaty is seen to be "useless at its best, but probably harmfull for Ireland"!

Mainly because smaller member states (like Ireland) will loose their direct EU-commissioner: the reduction of commissioners is one of the outcomes of the Lisbon treaty, and from a EU-perspective it is a necessity, because a big EU can't really act like it should if ALL of the commissioners always have to be of the same opinion...

Ireland is, once more, SO TERRIBLY BRITISH (like is most of it's culture, sorry to say that: after centuries of slavery you may struggle as much as you can - most parts of your every-day-culture are deeply deeply British, how can it be differently?).

And you, Irish people, share the same one-sided, egocentric, insular perspective towards the EU.

So I fear that with your vote this Thursday, you will not choose to be a vital part at the core of Europe, but only the tiny, unimportant but nervingly rainy island at the edge of the world that you've always been...